Achtziger
Campus
Erstes Mal
Klimapolitik

Liebe Damen und Herren, Freunde der Geschichte! Wir beglückwünschen Sie zum Kauf dieses Buches. Es wurde mit viel Liebe und großer Sorgfalt erstellt. Von uns. Für Sie.

Zur Sache. Wer kennt sie nicht, die schillernde Fassade der yuppiesken Achtziger – aber wer kennt schon ihren komischen Kern? Die Achtziger strotzen geradezu vor evolutionären Irrläufern, denen man »bis dato« (Waldi Hartmann) nur eine unzulängliche szientistische Aufarbeitung hat angedeihen lassen. Hier herrscht »Handlungsbedarf« (R. Scharping). Seitenscheitel, Netzhemd, Cherry Coke, Schweißband, Schneider Team 30, Robin-Hood-Stiefel, Volkszählung, Künstler für den Frieden, Jürgen Hingsen, VW Santana und das Kettler Alu-Rad, um hier nur mal einige gewichtige Phänomene aufzuzählen, sind dringend erklärungsbedürftig. Im Geiste des großen L. v. Ranke (»Jedes Jahrzehnt ist unmittelbar vor Gott«) haben wir uns darangemacht, die 80er Jahre zu verzetteln.

Apropos »wir«: Oft wurden die Autoren darauf hingewiesen, es dürfe dieses und jenes Stichwort keinesfalls fehlen. Um hier äußerst unmittelbare, einleuchtende und also absolut unvermeidliche Achtziger-Tatsachen nicht zu vernachlässigen und höchstes Unrecht gar nicht erst im Keime ersticken zu müssen, haben wir uns nach langen Beratungen auch mit Vertretern des Verlags, dazu entschlossen, einfach alles aufzunehmen. Unser Ziel hört also auf einen großen Namen: Vollständigkeit.

Das Kompendium bietet in aphabetischer Reihenfolge einen, wie gesagt, vollständigen Überblick über Film, Funk und Fernsehen (Wetten daß ..?, Miami Vice, The Day After, Bananas), Melodie und Rhythmus (Nena, bots, Motörhead), die weite Welt der Leibesertüchtigung (Rudi Völler, Fußballbrüder), über Männer, die die Welt bewegten (Maggie Thatcher, Ina Deter, Umberto Eco). Zusammen mit den unentbehrlichen Analysen und Meditationen zur Politik (Olympia-Boykott, Friedensbewegung, Rot-Grüne Chaospolitik), Technik (Katalysator, Zauberwürfel, Fiat Panda) und Trash-Couture des Alltags (Matchbeutel, Batida de Coco, Gürteltasche, Wet-Gel) entsteht ein eher buntscheckiges Bild. Gibt es gleichwohl einen kleinsten gemeinsamen Nenner? Was verbindet die verstrahlte Molke mit der Apple-Mouse, den Glykol-Skandal mit dem ersten »Turnschuhminister«, den Historikerstreit mit dem »Tag für Afrika«, das Gangsterduo Rösler/Degowski und General Kießling mit dem Kremlflieger Rust, Gorbi und David Lynch mit der Bhagwan-Disco, Breakdance mit der Hafenstraße und Horst »Ungeheuer« Hrubesch mit den Merz Special-Dragees? Natürlich überhaupt nichts. Oder doch ...? Na, immer fröhlich hereingelesen – wir werden Sie schon eines Besseren belehren!

P.S. Noch ein Wörtchen in »eigener Sache«. Der eine oder andere Leser fühlt sich möglicherweise unfair behandelt oder sogar auf den »Schlips getreten« – wir denken da an Oberst Gaddafi (der eher schlecht wegkommt) und den »Hitler-Fälscher« Konrad Kujau (der ja gar nicht vorkommt). Und Kurt Felix. Und Klausjürgen Wussow. Nicht zu vergessen auch jene Menschen, die zeit ihres Lebens im Schatten stehen und deshalb an dieser Stelle ungenannt bleiben sollen (vor allem Mutter Beimer). Aber, wie unsere Großväter immer sagten: Spaß muß sein, Humor ist Trumpf, und wenn der russische Bär erwacht, dann aber »Fersengeld gegeben«!

 

„Der Super-Gau fiel aus“ (Wieland Freund, Tagesspiegel)
„Der gesammelte Trash der Achtziger“ (Intro, 1998)
„Amüsant und aufschlußreich“ (Susanne Fett, Joy, 10/1998
)

Gerald Fricke/Frank Schäfer: Petting statt Pershing.

Das Wörterbuch der Achtziger, Reclam-Leipzig 1998.

ISBN: 3-379-01630-6

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