Achtziger
Campus
Erstes Mal
Klimapolitik

Ein Tanzfilm, as schmutzig as can be. Er läuft und läuft und läuft in den Filmpalästen der großen und kleinen Städte Deutschlands. Auch in ländlich strukturierten Gegenden (Æ Aerobic). Laut Aussage meiner kleinen Schwester (Sie denken doch wohl nicht, wir hätten diesen Film selber gesehen!), geht es darum, daß ein Tanzlehrer und Bravo-Starschnitt (P. Swayze) eine Teeny-Pomeranze mit den Worten »Mein Baby gehört zu mir« vom grimmen elterlichen Kujoniertisch holt, um anschließend eine heiße Sohle und Zukunftspläne aufzuführen. Dazu legt der Herr (Swayze) die Hand der Dame (Jennifer ... Beals? Nein, das war die aus Flashdance; Jennifer ... Grey, genau!) auf sein wummerig-rumpelndes Herzelein: »Hörst Du mein Herz: Ge-gong - Ge-gong - Ge-gong.« Diesem Herzrhythmus nun mußte sich der anschließende Mambo anpassen. Just hier wurde auch viel geweint im Kino. Und sowieso nie genug gekriegt: Eine 29-jährige Drogeriefachverkäuferin aus Pforzheim hat ihn schon 56mal gesehen (Stand: 23.3.1988). Kinos, die den Film absetzen wollen, erhalten Drohbriefe; Unterschriftenlisten gehen durch Supermärkte und Nagellackstudios. Auch an den Tanzschulen erhält der Mambo triumphalen Einzug. Wird hier nicht auch, so geben ältere Tanzpädagogen, die noch alle Modetänze unverfälscht von früher kennen, ein GV vorweggenommen bzw. imitiert? Obgleich das Los Angeles Magazine nüchtern anmerkt: »Der Tanz mag vielleicht schmutzig sein, aber der Film spiegelt das saubere und idealisierte Bild einer Zeit, die für uns unschuldig war und an die wir uns gern erinnern«. Was ein schönes Schlußwort.

Gerald Fricke/Frank Schäfer: Petting statt Pershing.

Das Wörterbuch der Achtziger, Reclam-Leipzig 1998.

ISBN: 3-379-01630-6

Siebziger
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