Achtziger
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Erstes Mal
Klimapolitik

Das Ausgangsproblem der Verhandlungssache Umwelt stellt sich aus normativer Sicht wie folgt dar: Es gibt staatenübergreifende, globale Probleme – wie den zu beobachtenden Klimawandel – die sich auch nur auf staatenübergreifender, gobaler Ebene „lösen“ lassen. Die neuen normativen Konzepte der Weltpolitik, die angetreten sind, die „globalen Problemen“ ohne Weltregierung zu lösen, heißen „Erdpolitik“, „Nachhaltige Entwicklung“, oder „Lokale Agenda 21“, ihre theoretischen Unterfütterungen reichen von der „globalen Netzwerktheorie“, dem „Global-Governance-Ansatz“, einer „globalen Subpolitik“ bis zur „reflexiven“ oder „Zweiten Moderne“.

An weniger prominenter Stelle finden sich aber auch neue kritische und postmoderne Versuche zur Beschreibung der weltweiten ökologischen Krise. Das Klimaproblem, die Erderwärmung, wird hier nicht als ein bloßes Treibhausproblem interpretiert, dass durch eine geschickte Schornstein-Politik der Industriestaaten zu lösen wäre, sondern als Resultat des westlichen Wohlstandmodells und der vorherrschenden fossilistischen und fordistischen Form der Produktion und Konsumtion.

In der Klimapolitik seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts geht es im Kern vor allem darum, die begrenzten Anteile an der Nutzung der Erdatmosphäre als Aufnahmemedium für die Treibhausgase auf globaler, nationaler und lokaler Ebene zwischen Nord und Süd immer wieder neu „auszuhandeln“. Die Klimapolitik steht nicht für ein beliebiges Politikfeld, sondern für den zentralen Verteilungskonflikt um Schadstoffsenken, Ressourcen und zukünftige Industrialisierungschancen.

In diesem Sinne wird hier auch die „Verhandlungssache Umwelt“ verstanden: Nicht als eine normative gute „Idee“, sondern als analytische Beschreibung der „glokalen“ – der globalen und lokalen – Konfliktlandschaft und als Kritik der vorherrschenden Erklärungsversuche in der Politikwissenschaft.

 

Gerald Fricke:
Von Rio nach Kyoto.

Verhandlungssache Weltklima: Global Governance, Lokale Agenda 21, Umweltpolitik und Macht, Köster, Berlin 2001.

ISBN 3-89574-435-2

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