Achtziger
Campus
Erstes Mal
Klimapolitik

Den Zusammenhang der internationalen Umwelt-, bzw. Klimapolitik und der jeweils vorherrschenden politikwissenschaftlichen Debatte gilt es zu verdeutlichen. Verkürzt formuliert werden folgende Parallelen ausgemacht: Unter der Vorherrschaft „realistischer“ Erklärungen der internationalen Politik nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen der „natürlichen“ Umwelt praktisch keine Bedeutung als „high politics“ zugesprochen wurde, bildete auch die internationale Umweltpolitik kaum ein explizites Thema der Politik. In den siebziger Jahren gewannen, nicht zuletzt im Zuge der Entspannungspolitik zwischen Ost und West, idealistische Theorien (wieder) an Bedeutung. Im Zeichen der „komplexen Interdependenz“ geriet auch die Umwelt in den Fokus der Theoretiker der Internationalen Beziehungen.

Die Stockholmer Umweltkonferenz und der Club-of-Rome-Bericht von 1972 führten in den siebziger Jahren zu der Bewusstwerdung der „globalen Umweltprobleme“ – und korrespondieren damit mit der sich herausbildenden, idealistisch und realistisch geprägten Regime-Debatte, d. h. der Forderung, einer internationalen Kooperation der Staaten, auf der Basis gemeinsam geteilter Normen, Werte und Prinzipien, um so zur „Lösung“ dieser globalen Probleme beizutragen.

Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre, etablierte sich die Treibhausproblematik als dringlichstes „globales Umweltproblem“ auf der internationalen Agenda. Diese Entwicklung geht mit einem neuen normativen Diskurs einher über die Chancen der Globalisierung, das „weltweite Regieren ohne Regierung“, die Macht der „globalen Zivilgesellschaft“ und die Möglichkeiten eines „Weltklima-Regimes“.

Die Analyse hat aber die Vermutung erhärtet, dass ein neuer, effizienter,‚Öko-Kapitalismus“ in den nördlichen Industriestaaten, unter Einschluss neuer Akteure, die Umweltbedingungen in der OECD-Welt in Ansätzen verbessern mag, dass aber die lokalen Verhältnisse (im Süden) nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die vorherrschenden Widersprüche zwischen Nord und Süd, Umwelt und Entwicklung, Ökologie und Ökonomie sind nicht durch die Zauberformel einer „Nachhaltigen Entwicklung“ aufzulösen.

 

Gerald Fricke:
Von Rio nach Kyoto.

Verhandlungssache Weltklima: Global Governance, Lokale Agenda 21, Umweltpolitik und Macht, Köster, Berlin 2001.

ISBN 3-89574-435-2

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Siebziger
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