Karlsruher SC. Tja, was fällt einem dazu ein? Zuerst und vor allem ein Name: Emanuel Günther. Im Oktober 1981 war’s, unvergessen, da flog Emanuel Günther in das rechte Schienbein unseres super Schwedens Hasse Borg. Das Krachen hören wir noch heute.

Ähnlich abstoßend erschien mir damals der Scheitel Ernst Hubertys. Doch verhieß die selige ARD-Sportschau immerhin noch solide Sportberichterstattung, jawohl, keinen Firlefanz oder „Warsteiner Fußball-Stammtische“, sondern mit Hochspannung erwartete „Spielberichte“, die im Stile der Tagesschau präsentiert wurden: „Zunächst die Ergebnisse der Spiele, über die wir nicht ausführlich berichten“, sagte Ernst Huberty und monologisierte über Halbzeitstände, Zuschauerzahlen, rote und gelbe Karten. Und darüber, dass Eintracht wieder auswärts verloren hatte, denn über Eintracht gab es fast nie einen „ausführlichen Spielbericht“. So wußte man um ca. 18:05 Bescheid und hatte eigentlich schon gar keine Lust mehr zum Weiterglotzen.

Merkwürdige spät-psychedelische, oranggelbe Kreise waren in die Studio-Hintergrunddeko eingefaßt. Zwei bis drei davon wurden quietschend herumgedreht und verrieten so die jeweils nächste Spielpaarung. „Das nächste Spiel, über das wir ausführlich berichten, ist die Begegnung des 1.FC Kölns gegen die Fortuna aus Düsseldorf.“ Über Kölle aus Köln wurde immer berichtet, denn da mußte der „Ü-Wagen“ nicht so weit fahren, von Köln aus. Immerhin ging es ja um unsere Fernsehgebühren!

Oft nickte auch der Kameramann kurz mal weg. „Dann erhöhten die Frankfurter sogar auf 3:1. Dieser Treffer konnte von unserer Kamera wegen technischer Schwierigkeiten leider nicht eingefangen werden.“ Und unsere „Sportfreunde an den Schwarz-Weiß-Geräten“ können den Hamburger SV an den hellen Hosen erkennen, von links nach rechts spielend.

Besonders perfide war die Sportschau am Sonntag oder in der ewigen Winterpause. Dann mußte man stundenlang Skispringen, rhythmische Sportgymnastik oder gar den „Galopper des Jahres“ mit Ihro Betuhlichkeit Adi Furler ertragen, nur um schließlich und endlich doch noch das „Tor des Monats“ mit Trippeltrappel-Musikuntermalung zu genießen. Das „Tor des Monats“ wurde aus dramaturgischen Gründen grundsätzlich in den letzten zwei Minuten der Sendung durchgehechelt und immer wieder machte man den Fehler, von Anfang an einzuschalten. Irgendwann in den mittigen Achtzigern wurde die charmante Trippeltrappel-Musik durch Synthesizer-Müll ersetzt, einer Mischung aus Jean-Michel Jarre und Frank Duval. Öffentlich-rechtliche Sender meinten damals, das wäre modern.

Sehr einprägsam war auch die DFB-Pokal-Auslosung mit Walter Baresel, einem verdienten Sportsmann und „Schmarotzer-Schmidt“, der irgendwie keine ersichtliche Aufgabe hatte. Schmarotzer-Schmidt mußte einfach nur wie ein Führerschein-Prüfer kucken. Die ausgelosten Spiele wurden der Reihe nach auf eine Tafel gesteckt, anschließend verlesen und gemeinschaftlich ausführlich kommentiert („eigene Gesetze“, „lösbare Aufgabe“, „David gegen Goliath“). Sehr schön.

Heute, post Kirch, wissen wir erst, was wir an ihr hatten, an der ARD-Sportschau, seufz. In jedem Schlechten wohnt eben auch das Gute, that’s what we call „Dialektik“, yeah man!

Eintracht aktuell, Saison 2002/2003, Heft 5

Kein Ballgefühl: Gerald Fricke

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